Der tibetische Buddhismus und die Theokratie
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Der tibetische Buddhismus und die Theokratie

1. Professer Wang Furens Seminare über die Vor- und Nachblütezeit des tibetischen Buddhismus

Ich kann mich noch erinnern, dass es sehr windig war an einem Tag im Frühling 1984 in Beijing. Ich fuhr gegen den Wind zum Institut für Nationale Minderheiten, um an einem Seminar von Professor Wang Furen über den tibetischen Buddhismus teilzunehmen. Professer Wang starb vor einigen Jahren. In jener Zeit hatte er nur vier Studenten. Beim Seminar führten wir oft intensive Diskussionen. Nach knapp zehn Seminarsitzungen waren uns die Grundzüge der Geschichte des tibetischen Buddhismus klar.
 
In der Geschichte des tibetischen Buddhismus nimmt die grausame Verfolgung der Buddhisten durch Lang Darma in der Vorblütezeit eine wichtige Stellung ein. Der Buddhismus wurde im 7. Jahrhundert in Tibet eingeführt. Nach einer 200-jährigen Geschichte erfuhr die Wirtschaft der Tubo-Dynastie einen Aufschwung. Der 8. Tsanpo Ralpachen war ein eifriger Anhänger des Buddhismus. Er ließ Klöster bauen und legte außerdem fest, dass jeweils sieben Hanshalte einen Mönch ernähren sollten und jede Familie mindestens ein Mitglied ins Kloster schicken sollte. Zugleich lud er Mönche nach Tibet ein, um die Sutras zu übersetzen. Dank seiner Unterstützung wurde das erste Tibetisch-Sanskrit-Wörterbuch zusammengestellt. Mit dem Aufschwung der tibetischen Kultur wurde der Machtbereich der Mönche immer größer, was unter den Adligen und Beamten zu Missmut führte. Im Jahre 838 wurde Ralpachen ermordet. Diese Szene ist in einer Wandmalerei in der neuen Halle in Norbulingka lebhaft dargestellt. Dadurch kann man heute noch etwas über die heftigen Konflikte zwischen dem Buddhismus und den Bon-Religion erfahren.
 
Nach dem Tod Ralpachens bestieg dessen jüngerer Bruder Lang Darma den Thron. Er war ein Vertreter der Bon-Religion. Während seiner Regierungszeit wurde der Buddhismus grausam unterdrückt. Die Klöster wurden geschlossen und die Buddhastatuen wurden in die Flüsse geworfen oder begraben. An die Stelle der Fresken mit buddhistischen Motiven traten Bilder von Mönchen, die sich mit Wein vergnügten. Alle Mönche wurden zur Rückkehr ins weltliche Leben gezwungen. Sämtliche Sutras wurden verbrannt oder zur Aufbewahrung versiegelt. Die Vorblütezeit des tibetischen Buddhismus war zu Ende. Bald kam auch das Ende für die Tubo-Dynastie, denn Lang Darma wurde von einem Mönch getötet. Tibet spaltete sich dann für 400 Jahre.
 
Die tibetischen Buddhisten fanden sich aber nicht mit der Niederlage ab. Einige buddhistische Gläubige flohen nach Tokam und Ngari. Dort widmeten sie sich der Verbreitung und Wiederbelebung des Buddhismus. Sie luden buddhistische Gelehrte wie Atisa und Padmasambhave nach Tibet ein. Mit der Unterstützung der lokalen Machthaber wurde ein buddhistisches Zentrum gebildet. Im 10. Jahrhundert, genauer: im Jahr 970, wurde der Buddhismus aus Tokam und Nagri nach Ü-g Tsung (in den Ost- und Mittelteil Tibets) eingeführt. Damit begann die Nachblütezeit des Buddhismus.

2. Ursprung und Entwicklung der fünf Sekten des tibetischen Buddhismus

Bei der Erforschung der Nachblütezeit des tibetischen Buddhismus haben Historiker darauf hingewiesen, dass der Buddhismus in seiner 200-jährigen Entwicklungsgeschichte in Tibet Mitglieder des königlichen Hauses gewonnen hatte. Das war der wichtigste Grund, warum sich der Buddhismus nach der grausamen Unterdrückung während über 100 Jahren wieder beleben konnte. Der tibetische Buddhismus hatte von Anfang an enge Beziehungen zur Politik. Die aufsteigenden Machthaber brauchten und unterstützten den Buddhismus. Alle fünf Sekten des tibetischen Buddhismus entstanden dank der Unterstützung der lokalen Machthaber und verloren ohne Hilfe wieder an Bedeutung.
 
Innerhalb des tibetischen Buddhismus gibt es unzählige Sekten. Die wichtigsten davon sind die Nyingmapa-Sekte, die Kagyupa-Sekte. Die Sakyapa-Sekte, die Kadampa-Sekte und die Gelugpa-Sekte. Diese fünf Sekten und deren Führer spielten in der tibetischen Geschichte eine sehr wichtige Rolle. Ohne Elementarkenntnisse über diese fünf Sekten kann man die tibetische Geschichte nicht gut verstehen.
 
Die Nyingmapa-Sekte entstand im 11. Jahrhundert und ist die älteste Sekte des tibetischen Buddhismus. ,,Nyingmapa“ heißt so viel wie ,,alt“. Sie sieht vor allem die Tradierung und Verbreitung der buddhistischen Lehre nach den früh übersetzten Texten in der Tubo-Dynastie als ihre Aufgabe. Deshalb wird sie auch ,,Alte Sekte“ genannt. Die Nyingmapa-Sekte ehrt Padmasambhava als ihren Stifter. Alle Moenche dieser Sekte tragen rote Mützen. Darum wird sie auch ,,Rote Sekte“ genannt.
 
Da die Nyingmapa-Sekte sich in ihrer Frühzeit an das Prinzip der geheimen und individuellen Weitergabe der Lehre hielt, verfuegt sie weder ueber Moenchsorden noch ueber eine systematische Lehre als Basis fuer die Herausbildung eienr Doktrin. Erst viel später entstanden Klöster der Roten Sekte. Die bekanntesten sind Dorjezha, Mingroling und Kathog. Die Anhänger dieser Sekte betreiben Feldarbeit. Dürfen heiraten und Kinder haben.
 
Die Kadampa-Sekte gehört ebenfalls zu den frühesten Sekten des tibetischen Buddhismus. Kadam heißt so viel wie ,,Lehren“ oder ,,Gebote Buddhas“. Die Kadampa-Sekte folgt dem Grundsatz, dass die Worte Buddhas selbst die Menschen zu Anhängern der buddhistischen Lehre machen sollen. Der Begründer dieser Sekte hieß Domtonpa, ein Schüler von Atisa. 1055 veranstaltete Domtonpa in Nyetang eine Trauerfeier, um Atisa zu gedenken, und ließ dort ein Kloster bauen. Im kommenden Jahr gründete er am Oberlauf des Lhasa-Flusses das Kloster Rating. Aus diesen Anfängen entwickelte sich nach und nach die Kadampa-Schule. Domtonpa hatte drei Schüler, von denen zwei, Dodorwa und Chinwowa, wiederum viele Schüler aufnahmen. Aus diesem Grund entwickelten sich später zwei Untersekten, nämlich die Kodex-Sekte und die Unterrichts-Sekte. Die Kodex-Sekte legt großen Wert auf das Studium der kanonischen Werke, die Unterrichts-Sekte betont aber die Unterweisung durch den Meister und die Praktiken. Bei der Verbreitung des Buddhismus gewann Dodorwa Tausende von Anhängern, und aus diesem Grund erreichte die Kadampa-Sekte eine bedeutend Stellung. Charakteristisch für diese Sekte ist die Betonung der Gebote, die Enthaltsamkeit für die Mönche und die systematische Reihenfolge beim Studium. Nach der Gründung dieser Sekte im 11. Jahrhundert entwickelte sie sich sehr schnell. Ihre Klöster verteilten sich auf fast alle Teile Tibets. Nach dem 12. Jahrhundert verbündete sich die Kadampa-Sekte mit dem lokalen Machthaber in Shannan und erwarb einen gewissen Einfluss, der auf ihren Klöstern gründete. Im 15. Jahrhundert bildete Tsongkapa auf der Grundlage der Kadampa-Sekte die Gelugpa-Sekte. Nach der Entstehung der Gelugpa-Sekte wurde die Kadampa-Sekte nach und nach von jener assimiliert.
 
Der Begründer der Sakyapa-Sekte war Khon Konchog Gyalpo, ein Mitglied der tibetischen Familie Khon, die sich selbst Nachkommen der Tubo-Dynastie nannte. Er war ein feudalistischer Leibeigenenhalter aus dem südwestlichen Teil Xigazes. Der Name der Sakyapa-Sekte leitet sich aus dem Kloster Sakya ab. Nach der Gründung des Klosters Sakya wurde der Einfluss der Sakyapa-Sekte immer größer. Khon Konchog Gyalpo war von Anfang an entschlossen, die Stellung des Sektenoberhaupts der eigenen Familie vorzubehalten. So waren alle fünf Äbte von Sakya Mitglieder der Familie Khon. Der vierte Abt Pandita war der erste, der Beziehungen mit dem mongolischen Kaiserhof aufnahm. Der fünfte Abt Pagpa wurde als erster als ,,Staatslehrmeister“ der Yuan-Dynastie bezeichnet, und später wurde ihm für seine Verdienste der Titel eines ,,Großen Dharmakönigs“ verliehen. Die Sakyapa-Sekte war die stärkste Sekte in Tibet. In der Yuan-Dynastie genoss sie viele Vorzugsbedingungen im politischen Bereich, die ihr sowohl von der Zentralregierung der Yuan-Dynastie als auch von der Lokalregierung inTibet eingeraeumt wurden. In der Mitte des 14. Jahrhunderts, vor dem Zerfall der Yuan-Dynastie, wurde die von der Sakyapa-Sekte gegründete lokale Macht von der Pagdu-Kagyupa-Sekte ersetzt. Trotzdem blieb Sakyapa-Sekte eine der stärksten Sekten in Tibet.
 
Unter allen Sekten des tibetischen Buddhismus zählt nur die Kagyupa-Sekte viele Zweige. Sie blieb eine unübersehbare Kraft, auch wenn die Gelugpa–Sekte an der Macht stand. Das Wort ,,Kagyupa“ bedeutet so viel wie ,,Instruktion“ oder ,,Weitergabe“ der buddhistischen Lehre. Die Kagyupa–Sekte legt großen Wert auf die mündliche Weitergabe aller Praktiken vom Lehrer an den Schüler und das intuitive Verständnis der Lehre mit dem Herzen. Noch bei der Gründung teilte sich diese Sekte sogleich in zwei Lager, nämlich die Shangpa-Kagyupa und die Dhagpo- Kagyupa. Aus der zweiten Gruppe entwickelten sich wiederum vier Untersekten, nämlich Karma, Tsalpa, Babrum und Pagdu. Die Pagdu-Sekte verfiel wiederum in acht kleinere Zweige. Die Pagdu-Sekte nahm eine sehr wichtige Stellung in der tibetischen Geschichte ein. Den Führern dieser Sekte wurde ein Ehrentitel von der Zentralregierung verliehen und sie ersetzten einmal die Sakya-Regierung als lokale Machthaber.
 
Der Einfluss der Karma-Kagyupa-Sekte war ebenfalls sehr groß. Dem Führer dieser Sekte wurde von der Zentralregierung der Ming-Dynastie der Titel eines ,,Großen Dharmakönigs“ sowie eine schwarze und eine rote Mütze verliehen. Das wichtigste Kloster der Schwarzmützen-Sekte war das Curpu-Kloster. Ein anderer wichtiger Grund für den großen Einfluss dieser Sekte war die Gründung des Systems der Reinkarnation des lebenden Buddhas.
 
Im 15. Jahrhundert wurde der tibetische Buddhismus unter Leitung von Tsongkapa reformiert. Tsongkapa stammte aus der heutigen Provinz Qinghai. In seiner Kindheit kam er aus Qinghai nach Tibet und begann sein Studium bei den führenden Mönchen der Sekten Sakyapa und Kagyupa. Im Jahre 1409 veranstaltete Tsongkapa im Jokhang-Kloster in Lhasa das erste Große Gebetsfest. Mit der gesammelten Geldsumme ließ er im selben Jahr das Ganden-Kloster, das Hauptkloster der Gelugpa-Sekte, bauen. So entstand die Gelugpa-Sekte. Tsongkapa trat dafür ein, dass die Mönche die Regeln der Enthaltsamkeit strikt einhalten müßten. Er legte fest, dass alle Mönche eine gelbe Mütze tragen sollten, damit sie sich von den Mönchen der anderen Sekten unterschieden. Die Schüler Tsongkapas gründeten die Klöster Drepung, Sera, Tashilhunpo, Tar und Labrang. Diese werden, mit dem Ganden-Kloster, als die sechs großen Klöster der Gelben Sekte bezeichnet.
 
Wie wir wissen, ziehen die Experten nach der Erforschung normalerweise einen theoretischen Schluss, der manchmal emotionalisiert worden ist. Die Zusammenfassung von Professor Wang Furen über die Geschichte des tibetischen Buddhismus kann ich mir heute noch ins Gedächtnis zurückrufen: Der tibetische Buddhismus hatte von Anfang an Beziehungen zu den feudalistischen Leibeigenenhaltern. Nach der Entstehung der verschiedenen Sekten kontrollierten die lokalen Feudalclans ihre eigene Sekte. Zwar war die Kultur- und Wirtschaftsentwicklung ein wichtiger Grund für die Entstehung der Sekten, doch hatte der tibetische Buddhismus eine noch engere Beziehung zur Politik. Die Kämpfe zwischen den Sekten in der tibetischen Geschichte waren in der Tat Auseinandersetzungen um Macht. Im 17. Jahrhundert gewann die Gelbe Sekte die absolute Vorherrschaft und die 600 Jahre andauernden Kämpfe zwischen den Sekten gingen zu Ende.
 
3. Die Karma-Kagyupa-Sekte gründet das System der Reinkarnation des lebenden Buddhas

Die Einführung des Systems der Reinkarnation des lebenden Buddhas geht auf die Entstehung der Klosterwirtschaft zurück. Den historischen Aufzeichnungen zufolge lag Karma Pakshi, der Abt des Klosters Curpu, im Jahre 1283 auf dem Totenbett. Plötzlich riss er die Augen auf, setzte sich im Bett auf und schlug die Beine übereinander. Er rief seinen Schüler Urgyanpa zu sich und sprach: ,,Ich verlasse dich zeitweilig. Nach meinem Tod wird in der Ferne in Ladoi mein Nachfolger als Führer der Schwarzmütze-Sekte erscheinen. Vor seiner Ankunft fungierst du als Vertreter des Buddha.“ Er nahm seine goldgesäumte Buddhamütze ab und setzte sie Urgyanpa auf. Bald trat er ins Nirwana ein.
 
Karma Pakschi war ein Schüler von Marpa in der dritten Generation, dem Gründer der Kagyupa-Sekte. Ein Leben lang verschrieb er sich der Religion und richtete sich nach ihren Lehren. Unter allen 800 Mönchen war er bekannt für seinen Fleiß und seine Beharrlichkeit. Aus diesem Grund wurde er ein großer Meister und führte 7000 Möche. Er ließ Klöster bauen und gründete die Karma-Kagyupa-Sekte. Weil der Lehrer von Karma Pakschi bei der Verbreitung der buddhistischen Doktrinen eine schwarze Mütze trug, wurde die Karma-Kagyupa-Sekte auch die Schwarzmützen-Sekte genannt.
 
1284 kam ein Kind in Gungthang im Mittelteil Tibets zur Welt. Gungthang ist die Heimat von Milaraspa, einem wichtigen Schüler des Gründers der Kagyupa-Sekte. Fünf Jahre später wurde das Kind als Seelenkind von Karma Pakschi bestimmt. Dies war das erste Mal in der Geschichte des tibetischen Buddhismus, dass eine Reinkarnation eines lebenden Buddhas bestimmt wurde. 1289 wurde dieses Kind ins Kloster Curpu eingeladen. Dort wurde es Mönch und studierte buddhistische Doktrinen bei Urgyanpa. Sein buddhistischer Name war Xiangjoin Dorje. Im historischen Werk Qing Shi ist die Szene der Ankunft des Seelenkindes im Kloster Curpu ausführlich dargestellt: Als das Seelenkind von Karma Pakschi im Kloster Curpu ankam, stellte Urgyanpa, ein Schüler Karma Pakschis, einen Stuhl in die Sutrashalle und sagte, dass er diesen Stuhl fuer seinen Meister vorbeteite. Zu seinem Erstaunen ging das Kind sehr natürlich zum Stuhl und setzte sich darauf. Urgyanpa war sehr verblüfft und fragte: ,,Warum setzst du dich auf den Stuhl meines Lehrers?“ Das Kind antwortete: ,,Dein Lehrer, der bin ich.“ Urgyanpa erinnerte sich sofort an die letzten Worte seines Lehrers und wusste, dass dieses Kind dessen Wiedergeburt war. Dann brachte er dem Kind die Doktrinen bei.
 
Die Gründung des Systems der Reinkarnation des lebenden Buddhas war ein großer Beitrag der Karma-Kagyupa-Sekte zur Entwicklung des tibetischen Buddhismus. Vor der Einführung dieses Systems gab es nur zwei Möglichkeiten, den Nachfolger des Sektenführers zu wählen. Entweder trat der Sohn die Nachfolge des Vaters an, oder ein Schüler wurde der Nachfolger seines Lehrers. Weil die Mönche der Nyingmapa-Sekte heiraten und Kinder haben durften, wurde die Führungsposition an einen Sohn weitergegeben. Die drei ,,Zurgsum“, wichtige Vertreter der Nyingmapa-Sekte, stammten beispielsweise aus der gleichen Sippe namens Zur. Sie waren Großvater, Vater und Sohn. Die Äbte der bekanntesten Klöster der Nyingmapa-Sekte Mingroling und Dorjezha, am südlichen und nördlichen Ufer des Yarlungzangbo-Flusses gelegen, waren im 16. und 17. Jahrhundert jeweils Vater und Sohn oder Schwiegervater und Schwiegersohn. In der Sakyapa-Sekte wurde die religiöse Tradition innerhalb der Familie gepflegt. Die bedeutendsten Mitglieder dieser Familie waren die fünf Äbte von Sakya. Nach dem Tod des Gründers der Sakyapa-Sekte Khon Konchog Gyalpo wurde sein zweiter Sohn Sodnams Tsemo Abt des Klosters Sakya. Auch die Nachfolge des dritten und vierten Abts erfolgte innerhalb der Familie. Nach dem Tod des vierten Abts trat sein Neffe Pagpa seine Nachfolge an. Pagpa wurde von Khublai Khan, dem Gründer der Yuan-Dynastie, zum Staatslehrmeister ernannt. Dadurch hielt Pagpa die weltliche und geistliche Macht in Tibet in seinen Händen. In der Kadampa-Sekte trat ebenfalls ein Schüler die Nachfolge seines Lehrers an. Der Gründer dieser Sekte, Domtonpa, hatte vieles Schüler. Er ließ das Kloster Rating bauen. Nach seinem Tod wurde einer seiner Schüler Abt dieses Klosters. Diese Nachfolgeregelung wurde bis heute aufrechterhalten.
 
Die Gründung des Systems der Reinkarnation des lebenden Buddhas hat historische Hintergründe. Damals befand sich der tibetische Buddhismus in der Nachblütezeit. Zahlreiche Sekten bauten ihre eigenen Klöster, die nicht nur über Felder, Vieh und Weideland, sondern auch über Untertanen verfügten. Aus politischen und wirtschaftlichen Gründen standen sie in heftiger Konkurrenz miteinander. Jeder Abt wünschte, dass seine Sekte neue Jünger finden und damit einen Aufschwung erleben würde. So ahmten viele Sekten des tibetischen Buddhismus aus eigenen Interessen dieses Reinkarnationsmodell nach.
 
Während die Kagyupa-Sekte das System der Reinkarnation des lebenden Buddhas gründete, entwickelte es die Gelugpa-Sekte weiter. Nach der Gründung der Gelugpa-Sekte im 15. Jahrhundert wurde das Reinkarnationssystem in allen Klöstern eingeführt. Die Gelugpa-Sekte hat das System nicht nur gepflegt, sondern auch vervollständigt. Eine Reihe historischer Gepflogenheiten wurden von ihr entwickelt und eine umfassende Theorie über die Reinkarnation des lebenden Buddhas wurde von ihr ausgearbeitet.
 
4. Die vergoldete Ernennungsurkunde und das Goldsiegel und die Gründung des Systems der Reinkarnation des Panchen Lama und des Dalai Lama

Nach der Einführung der Reinkarnation des lebenden Buddhas wurden sehr viele Reinkarnationssysteme großer und kleiner lebender Buddhas eingerichtet. Zwischen den großen und den kleinen lebenden Buddhas gab es nur einen Unterschied, nämlich ob ihnen von der Zentralregierung der Qing-Dynastie oder der tibetischen Lokalregierung ein Titel verliehen wurde oder nicht. Historischen Aufzeichnungen zufolge gab es insgesamt über 160 große lebende Buddhas, denen von der Abteilung für mongolische und tibetische Angelegenheiten der Zentralregierung der Qing-Dynastie der ,,Hotogtu-Titel“ verliehen wurde. Sie wurden beim Minsterium für Angelegenheiten der Ethnien offiziell registriert und standen direkt unter der Verwaltung der Zentralregierung. Die zwei größten lebenden Buddhas waren der Dalai Lama und der Panchen Lama.
 
Der Titel des Dama Lama entstand im Jahre 1576. Damals reiste Sonam Gyatso, der Abt des Klosters Drepung, auf Einladung eines mongolischen Stammeshäuptlings namens Altan Khan in mongolisches Gebiet, um den tibetischen Buddhismus zu verbreiten. Im Kloster Yanghua in Qinghai legte Sonam Gyatso den tibetischen Buddhismus systematisch dar. Altan Khan respektierte ihn und verlieh ihm den Ehrentitel ,,Dalai Lama, Heiliger und Allwissender Bewahrer des Vajra“. ,,Heilig“ bedeutet im Buddhismus ,,im Unterschied zu allem Irdischen göttlich vollkommen“. ,,Allwissender“ ist eine Bezeichnung für denjenigen, der den größten Erfolg beim Studium der esoterischen Religion erzielt hat. ,,Vajra“ bedeutet ,,waffentragender Wächter des Buddha“ und ist eine Bezeichnung für den, der den größten Erfolg beim Studium der esoterischen Religion erzielt hat. ,,Dalai“ bedeutet auf Mongolisch ,,Meer“ und ,,Lama“ heißt auf Tibetisch ,,hervorragender Meister“. Dann wurde Sonam Gyatso als der dritte Dalai Lama bezeichnet. Seine zwei Vorgänger wurden rückwirkend zum ersten und zweiten Dalai Lama erklärt. Doch vor der Amtszeit des fünften Dalai Lama hatten diese religiösen Führer noch keine politische Macht. Erst als der fünfte Dalai Lama im 17. Jahrhundert vom Qing-Kaiser anerkannt und ernannt wurde, war der Dalai Lama nicht mehr nur ein geistlicher Führer der tibetischen Bevölkerung, sondern auch der oberste Herrscher über die Region. 1652 begab sich der 5. Dalai Lama nach Beijing zu einer Audienz beim Kaiser. Der Qing-Kaiser verlieh ihm den Titel ,,Dalai Lama, Buddha der Großen Barmherzigkeit im Westen, Führer des buddhistischen Glaubens unter dem Himmel, allwissender Bewahrer des Vajra“ und überreichte ihm ein Goldsiegel und eine vergoldete Ernennungsurkunde.
 
Wie ,,Dalai Lama“ wurde auch der Ehrentitel ,,Panchen“ von einem mongolischen Stammenshäuptling, Gushri Khan, verliehen. 1642 führte Gushri Khan Truppen nach Tibet und besiegte die feindlichen Kräfte der Gelugpa-Sekte. Nach der Übergabe der Herrschaft über Tibet an den fünften Dalai Lama verlieh er dem Abt des Klosters Tashilhunpo, Lobsang Chokyi Gyaltsan, den Ehrentitel ,,Panchen Bokto“. Er war für die Verwaltung von Mittetibet zuständit. „Pan“ bedeutet auf Sanskrit ,,Meister“ und ,,Chen“ heißt auf Tibetisch ,,groß“. ,,Bokto“ bedeutet auf Mongolisch „Heiliger“. In der Zusammensetzung bedeutet das Wort ,,Panchen“ ,,Großer Gelehrter“. Das war die Herkunft der Bezeichnung Panchen Lama. So wurde Lobsang Chokyi Gyaltsan als der vierte Panchen Lama bezeichnet, und gemäß den Gepflogenheiten wurden rückwirkend Gelek Palsang, der erste Schüler von Tsongkapa, als der erste Panchen Lama, Sonam Choklang als der zweite Panchen Lama und Ensa Lobsang Dondup als der dritte Panchen Lama anerkannt. Im Jahr 1713 entsandte die Zentralregierung der Qing-Dynastie Hochkommissare ins Taschilhunpo-Kloster und verlieh Lobsang Chikyi Gyaltsan den Ehrentitel ,,Panchen Erdini“ sowie ein Goldsiegel und eine vergoldete Ernennungsurkunde. ,,Erdini“ heißt auf Monglisch ,,Schatz“. Das bedeutete, dass der Panchen Lama die gleiche Stellung in Politik und Religion einnahm wie der Dalai Lama.
 
Der 14. Dalai Lama verbreitet überall, dass Tibet seit alters her ein unabhängiges Land sei. In der Tat wurde der Ehrentitel vor 350 Jahren von der Zentralregierung der Qing-Dynastie verliehen. Gäbe es heute seinen Titel ohne den kaiserlichen Erlass?
 
5. Professor Dungyam erläutert die Theokratie in Tibet

Das System der Einheit von Religion und Politik in Tibet unterscheidet sich gänzlich von Theokratien, wie es sie in westlichen Ländern gegeben hat. Darüber hat Professer Dungyam, ein bekannter Tibetologe an der Universität Tibet, eine Monographie geschrieben. Als ich mit Herrn Dungyam an der Universität Tibet zusammenarbeitete, schenkte er mir ein Exemplar. Der grundlegende Standpunkt des Buches liegt darin, dass die Gründung des Systems der Theokratie in Tibet im Großen und Ganzen bedeutete, dass die tibetische Lokalregierung der Zentralregierung der Qing-Dynastie unterstand. Mit der Flucht des 14. Dalai Lama im Jahr 1959 wurde die Kascha-Regierung aufgelöst. Das war auch das Ende der Theokratie in Tibet.
 
Spricht man über die tibetische Geschichte, kommt man um eine Diskussion des theokratischen Systems in Tibet nicht herum. Nach den Forschungsergebnissen von Herrn Dungyam wurde das System der Einheit von Religion und Politik in Tibet im 13. Jahrhundert in der Sakya-Dynastie eingerichtet.
 
Die Einrichtung des theokratischen Systems in Tibet hatte einen besonderen gesellschaftlichen Hintergrund. Damals entstanden in Tibet mehrere buddhistische Sekten, die sich alle um die lokale Vorherrschaft stritten. Zur gleichen Zeit brauchten die lokalen Machthaber die Unterstützung der buddhistischen Sekten, um ihren Einfluss zu vergrößern. So wurde die embryonale Form der Theokratie in Tibet gebildet.
 
Damals war die Macht einiger buddhistischer Sekten, vor allem der Kagyupa-Sekte, sehr groß. Aber in der Yuan-Dynastie wurde Pagpa, der 5. Abt der Sakyapa-Sekte, vom Yuan-Kaiser zum Staatslehrmeister ernannt. Auf Befehl des Yuan-Kaisers wurde er für die Verwaltung Tibets zuständig, so dass Tibet unter die geistliche und weltliche Herrschaft der Sakyapa-Sekte gestellt wurde. Das war die Besonderheit der Theokratie in Tibet. Die Sakyapa-Sekte erhielt ihre Macht vom Yuan-Kaiser, und Tibet war selbstverständlich ein Bestandteil des Herrschaftsbereiches der Yuan-Dynastie und damit ins Territorium Chinas eingegliedert.
 
Der Vorsitz der Sakya-Regierung wurde von Pagpa bie zu Yexei Gyamcain, der achten Generation, weitergereicht. Jeder Abt wurde vom Yuan-Kaiser zum Staatslehrmeister und zum Statthalter in Tibet ernannt. Sie hielten die weltliche und geistliche Macht in Tibet in ihren Händen. Mit ihnen nahm das theokratische System inTibet seinen Anfang. Daran ist kein Zweifel zu hegen. Einige Gelehrte, die im Exil leben und für die Abspaltung Tibets sind, sind aber der Ansicht, dass die tibetische Lokalregierung nur eine religiöse Institution war, und leugnen damit, dass in Tibet eine Theokratie bestand. Das ist einfach falsch.
 
Kann man sagen, dass sich die Theokratie in Tibet mit der Sakya-Regierung erst in ihren Anfängen befand, so war sie in der Ming-Dynastie vollständig ausgebaut. Bei der Entwicklung brachte die Gelugpa-Sekte nicht nur die Adligen auf ihre Seite, sondern sie nahm auch Beziehungen mit der herrschenden Klasse der Han-Chinesen, Mandschuren und Mongolen auf. Mit ihrer Unterstützung gründete sie schrittweise eine Lokalregierung, die sich gleichermaßen um religiöse und politische Belange kümmerte und von der Zentralregierung genehmigt und bevollmächtigt wurde. Der Dalai Lama war nicht nur ein geistlicher Führer, sondern auch der oberste Herrscher der sogenannten ,,Kascha“- Regierung. Die Institution des Klosters wurde allmählich vervollständigt, und die Klöster und Landgüter waren die Hauptstützen der Wirtschaft. Die buddhistischen Doktrinen dienten gleichzeitig als Gesetze und die Persönlichkeiten aus der geistlichen Welt nahmen eine sehr hohe gesellschaftliche Stellung ein.
 
In der Tat ist eine Religion umso eher dem Untergang geweiht, je stärker sie sich mit einer politischen Macht verbindet. Ab dem 17. Jahrhundert wurde Tibet von der Gelugpa-Sekte regiert. Die großen Sekten wie die Nyingmapa-, die Kagyupa- und die Sakyapa-Sekte hatten zwar ihre eigene Wirtschaft und ihre eigenen religiösen Aktivitäten, ordneten sich aber in der Politik der Kascha-Regierung unter und wurden von der Gelugpa-Sekte kontrolliert. In dieser Zeit war der Buddhismus kein religiöser Glaube mehr. Er verband sich mit der Diktatur der feudalistischen Leibeigenenhalter. Die Macht der Klöster nahm ständig zu. Aus finanziellen Gründen oder aus Scheu vor dem Frondienst gingen zahlreiche Bauern und Viehzüchter ins Kloster. Es gab nur sehr wenige, die strikt die Regeln der Enthaltsamkeit einhielten. Immer mehr Mönche widmeten sich der Politik und wollten eine Beamtenkarriere einschlagen. So wurden die Doktrinen beseitigt und das Studium der Sutras wurde nurmehr zur reinen Formsache. Manche buddhistische Doktrinen verloren wegen des weltlichen Verständnisses ihre kulturelle Prägung und ihre Lebenskraft. Besonders in der Neueren Zeit drangen ausländische Mächte ein, die die Spaltung Tibets zum Ziel hatten. Die religiöse Ordnung wurde zerstört, die Gesellschaft war nicht mehr stabil und viele Konflikte spitzten sich zu. So gab es keine Möglichkeit für die weitere Entwicklung des tibetischen Buddhismus. Man kann sagen, dass das System der Theokratie zwangsläufig zum Verfall des tibetischen Buddhimus führte.

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